Körperarbeit verstehen | Thomas Egner Körperarbeit

Körperarbeit verstehen: 

Wie Berührung, Atem und 
Wahrnehmung präzise zusammenspielen – ohne äußeren Druck.

Wenn der Körper mehr erzählt als Worte

Unser Körper trägt unsere Geschichte mit.

Wie wir stehen, atmen und uns bewegen, wie viel Raum wir einnehmen und an welchen Stellen wir festhalten – all das entwickelt sich im Laufe unseres Lebens.

Muskelspannung ist deshalb für mich nicht nur etwas, das möglichst schnell „wegmassiert“ werden muss. Sie kann mit Belastung, Gewohnheiten, körperlichen Anforderungen und unserer Art zusammenhängen, auf Situationen zu reagieren.

Manches davon ist uns bewusst. Vieles geschieht, ohne dass wir darüber nachdenken.

Genau hier setzt meine Körperarbeit an.

Sie versucht nicht, den Körper zu korrigieren oder etwas in ihm zu erzwingen. Sie schafft einen ruhigen Rahmen, in dem Wahrnehmung wieder möglich werden kann.


 

• Berührung, die nicht verändern will

Meine Hände arbeiten nicht gegen eine Spannung. Ich versuche zunächst wahrzunehmen, was da ist.

Wo hält der Körper fest? Wo gibt er nach? Wo verändert sich der Atem? Wo entsteht Bewegung – und wo vielleicht gerade nicht?

Die Berührung ist ruhig, aufmerksam und respektvoll. Sie kann deutlicher oder sehr fein sein, folgt aber keinem mechanischen Ablauf. Es geht nicht darum, einen Muskel möglichst schnell zu lockern.

Denn Loslassen lässt sich nicht befehlen. Manchmal verändert sich Spannung, wenn ein Mensch sich sicher genug fühlt, nichts erreichen oder gegen den eigenen Körper arbeiten zu müssen.


 

• Warum Muskelspannung mehr sein kann als Muskelspannung

Wir alle entwickeln im Laufe unseres Lebens körperliche Muster.

Wir ziehen vielleicht unbewusst die Schultern hoch, halten den Bauch fest, atmen weniger frei oder machen uns klein. Solche Muster können einmal einen guten Grund gehabt haben. Deshalb betrachte ich Spannung nicht als Gegner.

Durch achtsame Berührung kann eine Körperregion wieder deutlicher wahrnehmbar werden. Manchmal verändert sich dabei etwas: Ein Muskel wird weicher, der Atem freier oder eine Bewegung fühlt sich leichter an.

Und manchmal geschieht zunächst gar nichts.

Auch das ist in Ordnung. Es gibt in einer Sitzung nichts, was erreicht werden muss.


 

• Der Atem als Wegweiser

Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Atem – nicht, weil du eine bestimmte Atemtechnik lernen oder „richtig“ atmen sollst.

Ich beobachte vielmehr, wie sich der Atem von selbst verändert.

Vielleicht wird er tiefer. Vielleicht entsteht ein spontanes Ausatmen. Vielleicht hält er für einen Moment inne.

Atem, Muskelspannung und Körperwahrnehmung können sich gegenseitig begleiten. Manchmal verändert sich mit dem Atem auch das innere Erleben.

Ich nehme solche Veränderungen wahr, ohne daraus automatisch eine bestimmte Bedeutung abzuleiten.


 

• Wenn aus Körperwahrnehmung innere Wahrnehmung wird

Körper und inneres Erleben lassen sich nicht immer voneinander trennen.

So kann es vorkommen, dass während einer Sitzung neben körperlicher Entspannung plötzlich etwas anderes auftaucht: ein Gefühl, ein Gedanke, eine Erinnerung, ein inneres Bild – oder einfach das Empfinden, sich selbst für einen Moment ungewöhnlich deutlich wahrzunehmen.

Das muss nicht geschehen und wird niemals bewusst herbeigeführt.

Ich interpretiere auch nicht, was dein Körper „sagen möchte“. Die Wahrnehmung und ihre Bedeutung gehören immer dir.

Manchmal braucht es dafür ein paar Worte. Manchmal ist Schweigen hilfreicher.


 

• Vom Funktionieren wieder ins Spüren

Viele Menschen verbringen einen großen Teil ihres Alltags im Funktionieren.

Der Kopf plant, entscheidet, organisiert und löst Probleme. Gleichzeitig kann die Wahrnehmung für den eigenen Körper immer weiter in den Hintergrund treten.

Eine ruhige Körperarbeit kann einen Gegenraum dazu schaffen.

Du musst nichts leisten.
Du musst nichts verstehen.
Du musst nichts Bestimmtes fühlen.

Die Aufmerksamkeit darf sich für eine Zeit vom Denken zum unmittelbaren Erleben verschieben:

Wie fühlt sich mein Körper gerade tatsächlich an?

Daraus kann ein differenzierteres Gespür für sich selbst entstehen – für den eigenen Körper, für Grenzen und dafür, was sich stimmig oder nicht stimmig anfühlt.


 

• Sicherheit und Grenzen

Körperarbeit braucht Vertrauen. Deshalb bestimmt nicht meine Vorstellung den Verlauf einer Sitzung, sondern dein Erleben.

Wenn sich etwas angenehm und sicher anfühlt, können wir dabei bleiben. Wenn etwas zu viel wird, verlangsamen wir, verändern den Kontakt oder hören auf.

Du kannst eine Berührung jederzeit ablehnen oder eine Pause wünschen.

Denn Entspannung und Öffnung entstehen nicht dadurch, dass eine Grenze überwunden wird, sondern dadurch, dass sie respektiert wird.


 

• Wie sich das in einer Sitzung zeigt

Während der Körperarbeit achte ich darauf, wie sich Muskelspannung, Atem, Bewegung und deine Reaktion auf den Kontakt verändern.

Daraus entsteht kein festgelegter Ablauf. Ich passe die Berührung an das an, was im jeweiligen Moment wahrnehmbar ist.

Manchmal wird ein Bereich deutlicher. Manchmal verändert sich der Atem oder eine Spannung. Manchmal entsteht einfach Ruhe.

Es muss nichts Bestimmtes geschehen.

Den konkreten Ablauf einer Sitzung findest du unter   -> Ablauf


 

• Veränderung lässt sich nicht machen

Vielleicht beschreibt dieser Satz meine Haltung am besten:

Ich versuche nicht, deinen Körper zu verändern. Ich schaffe einen Rahmen, in dem du wahrnehmen kannst, was sich von selbst verändert – und was vielleicht gerade so bleiben möchte, wie es ist.

Was daraus entsteht, lässt sich nicht planen. Vielleicht ist es Ruhe, ein freierer Atem, eine veränderte Körperwahrnehmung oder eine persönliche Erkenntnis. Vielleicht ist es einfach eine Zeit, in der du nichts leisten musst.

Der Körper hat dabei sein eigenes Tempo.

Meine Aufgabe ist nicht, dieses Tempo zu bestimmen – sondern aufmerksam genug zu sein, ihm zu folgen.


 

• Wichtig zu wissen

Meine Körperarbeit ist keine medizinische Behandlung und keine Psychotherapie. Ich stelle keine Diagnosen und behandle keine psychischen Erkrankungen oder Traumata.

Sie versteht sich als körperorientierte Begleitung und ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung.


 

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